Hubert von Goisern
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Hubert nimmt seinen Hut

Rennbahn Express 11/94 | Text und Fotos: Hannes Kropik

"Ich habe überhaupt keine Zeit mehr, über irgend etwas nachzudenken", erklärt Hubert von Goisern im Gespräch mit dem Rennbahn Express, warum er sich aus der Musikszene zurückziehen wird. Am 27. Oktober ist Hubert mit seinen Alpinkatzen in der Wiener Stadthalle zum letzten Mal live in Österreich zu sehen, tags zuvor verabschiedet er sich in Salzburg von seinen Fans in Westösterreich.

"Ich freue mich schon sehr auf die Zeit ohne Terminkalender", sagt Hubert. "Ich mache keine Pläne, aber es gibt ein paar Dinge, die ich mir vorstellen könnte: Ich möchte mich dem Genre Film widmen, vielleicht Filmmusik komponieren oder Drehbücher schreiben. Ich möchte endlich wieder Bücher lesen, mein Haus herrichten, bergsteigen, reisen."

Auch um seine Familie will sich der Star der neuen Volksmusik wieder mehr kümmern, nachdem er die letzten Monate und Jahre fast permanent unterwegs war: "Ich kenne ja nur mehr Hotelzimmer."

Vor allem der sechsjährige Nikolaus freut sich schon sehr auf seinen Papi: "Er kann es noch gar nicht glauben, daß es einmal eine Zeit geben soll, in der ich mehr bei ihm sein werde."

Obwohl die Alpinkatzen nach der Tournee aufgelöst werden, gibt es für Fans auch eine gute Nachricht: Im Frühjahr 1995 erscheint eine LiveCD.

"Dem eigenen Stil trauen - und beten um den Erfolg"

Kurier 1. Dezember 1993 | Text: Günther Baumann

Kurier-Gespräch mit Pop-Produzent David Bronner

Es ist immer wieder die gleiche Geschichte. Unzählige Plattenfirmen hatten die Demobänder mit der Musik eines gewissen Hubert von Goisern zugeschickt bekommen. Alle hatten dankend abgelehnt. Dann funkte es, beim Wiener Ariola-Manager Peter Rosinak, schließlich doch. Firmenintern setzte er die Veröffentlichung der Goisern-CD durch. Mittlerweile sind vom Hiatamadl-Opus mehr als 160.000 Alben verkauft. "Als Popmusiker darf man nur dem eigenen Stil vertrauen und muß darum beten, daß sich der eigene Geschmack und jener des Publikums einmal decken," sagt der Wiener Produzent David Bronner, der seinerzeit den Kontakt zwischen Goisern und Ariola schloß. Hubert von Goisern, der jahrelang durch die Musikklubs tingelte, dient ihm als beredtes Beispiel für seine These. "Beim Hiatamadl haben die Leute im Roten Engel schon vor sechs Jahren auf dem Tisch getanzt." [...]

Keine Zeit mehr für die Bergeinsamkeit

Kurier 27. März 1993 | Text: Konrad Kramar

"Koa Hiatamadl mag i nit", singt der Wirt des Gasteiner Luxushotels und tanzt, mit dem Jagdhorn bewaffnet, bei der Tür herein. Hubert von Goisern lächelt verlegen: "Es is für mich alles wahnsinnig anstrengend zur Zeit. Alles is so schnell gangen, und jetzt tret ich oft ins Fettnäpfchen." Treten tut er momentan vor allem vor die Fernsehkameras: Ob Wir-Vital, Wer A sagt oder das deutsche Fernsehen: "Das Klischee vom kernigen Bergfex mit dem oberkernigen Ziehharmonika-Rock ist ein Verkaufsschlager. Die Plattenfirma sucht sich das von mir aus, was ihr paßt."

Zur Zeit, wenn er nicht gerade zu einem Starauftritt rast, sitzt der Hubert im Gasteinertal in Klausur, probt für seine große Tournee (Start am 10. Mai in Salzburg). Mit dem Liederschreiben für die neue LP will es nicht so recht klappen: "Ich hab keine Ruhe, um einmal bei mir zu sein." Der späte Erfolg läßt dem 40jährigen keine Zeit: "Ich kann nicht einmal meine Freundin und meinen Sohn sehen." Aber er will über den Erfolg nicht klagen. "Ich hab immer ein privilegiertes Leben geführt. Damals, als ich alle Zeit und Freiheit hatte und die Miete nicht zahlen konnte. Und heute, wo ich auf einmal mehr Geld hab , als ich mir jemals erträumt hab, und keine Zeit, um zu leben."

Er weiß, daß man viel von ihm erwartet: "Ich spür den Erfolgsdruck, und ich spür auch die Verantwortung." Und er weiß, daß ihn viele für den letzten Ausverkauf der Volksmusik halten: "Ich will den Leuten vom Land was erzählen, nicht den Städtern, die sich heuchlerisch für die Bauern stark machen."

Wenn man ihn fragt, warum er für eine deutsche Automarke Werbeveranstaltungen macht, sagt er: "Weil ich den Mann von der Firma einfach wahnsinnig gern hab," und meint es ehrlich. Er erzählt, daß er in Talk-Shows am liebsten von den Waldspaziergängen mit seinem Buben spricht, daß er immer öfter daran denkt, zu Hause die Türe zuzumachen, das Telefonkabel abzuschneiden und für niemanden mehr der Hubert von Goisern zu sein. Er erzählt vom Schleinigen, einem Volkstanz, und dem Drei-Viertel- und-ein-bisserl-Takt im Innviertel. Und dann wünscht er sich, daß alles wieder leiser wird, die Musik, die Leute, die Medien. Aber das wird's im nächsten Jahr nicht werden.

Die Bergen leben mit BMG International Exekutive

Billboard 6. August 1994

Saalfelden, Österreich - Die Österreichischen Alpen stellen den Hintergrund für die jahrliche Konvention der Internationalen Managing Direktoren von BMG, 10-15 Juni, wo BMG Exekutive aus 39 Ländern waren. Neben Präsentationen von wichtigen BMG Abteilungen, die Konvention betonte die Konzentration der Firma auf die künstlerische Weiterentwicklung und beschrieb Expansionen im Multimedia- und Videobereich.

Hubert von Goisern, Sabine Kapfinger, Hage Hein und BMG Exekutive

Der Österreiche Volk-Rock Star Hubert von Goisern begrüßte die Angestellten in seiner Heimat.
Gezeigt sind in der ersten Reihe, von links, Sängerin Sabine Kapfinger, von Goisern, und BMG chairman/CEO Michael Dornemann. In der hinteren Reihe sind von links Harold Buchel, MD, BMG Österreich; BMG International senior VP, A&R/Marketing Heinz Henn; BMG International President/CEO Rudi Gassner; Manager Hage Hein; und BMG GSA President Thomas Stein.

Ein Österreicher klärt in Sachen Volksmusik nicht nur Bayern auf

Mangfallbote 7. April 1994 | Text: Philipp Roser | Foto: BR

Von Goisern und Original Alpinkatzen beginnen Tour

Hubert von GoisernMünchen - Aufklärungsarbeit in Sachen Volksmusik betreibt seit Jahren der Österreicher Hubert von Goisern mit seiner Band Original Alpinkatzen. Und dies mit einigem Erfolg, sorgte er 1993 doch für Aufsehen, als sein Album Aufgeign statt niederschiassen ein Jahr nach Veröffentlichung den Sprung in die deutschen Charts schaffte. Daß von Goisern mit seiner Mixtur aus Volks- und Rockmusik den Nerv vieler Hörer trifft, beweist auch die Tatsache, daß ein Gutteil seiner Konzerte ausverkauft sind.

Seit Mitte der 80er Jahre ist Hubert von Goisern mit seiner Gruppe aktiv und verzeichnete dabei anfangs in Bayern mehr Erfolge als in seiner Heimat. "Das lag auch daran, daß die Volksmusik in Österreich mit mehr Vorurteilen behaftet ist als in Deutschland", erklärte er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Die traditionelle Volksmusik werde fälschlicherweise vielfach mit Intoleranz und reaktionärem Gedankengut des Dritten Reichs gleichgesetzt, "weil eben vor 50, 60 Jahren diese Musik, die ganze Heimatkultur, Blut- und Bodenromantik vor den nationalsozialistischen Karren gespannt wurden." In Bayern gebe es zwar eine vergleichbare Volksmusikkultur, aber die Menschen dort "waren irgendwie selbstbewußter drauf", hätten sich eher von diesen Vorurteilen gelöst.

Deutlich grenzt sich der auch jodelnde Sänger und Akkordeonspieler von volkstümlicher Musik ab, verkennt allerdings dabei ein Problem nicht: "Für Otto Normalverbraucher ist volkstümliche Musik à la Musikantenstadl eben Volksmusik." Er sieht noch viel Arbeit vor sich, um die Unterscheidung beider Spielarten deutlicher zu machen. Dabei profitiert er von den Erfahrungen, die er sammelte, als er sieben Jahre lang durch die ganze Welt reiste. Ihn habe beeindruckt, wie unbefangen die Nordamerikaner mit ihrer Traditionsmusik umgingen. Da er mit den Beatles, Jimi Hendrix und Bob Marley aufgewachsen sei, baue er zudem Blues- und Rockelemente in seine Musik rein.

Omunduntn hat Hubert von Goisern, der heute in Salzburg lebt, sein neues Album betitelt. Zwar habe er einst sehr mit dem Lateinunterricht gehadert, "Aber ein Wort hat mich immer fasziniert: das Wort altus, das sowohl hoch als auch tief bedeutet". Irgendwann sei ihm die Abhängigkeit des einen vom anderen bewußt geworden: "Es gibt kein Oben ohne das Unten." Auch das Leben beschere Wellenbewegungen von Glück und Trauer, und "manchmal empfindet man, die Gleichzeitigkeit dieser beiden Pole." Solche Überlegungen hätten ihn zu dieser eigenwilligen Wortneuschöpfung inspiriert.

Zwiespältige Gefühle hegt der Familienvater Hubert von Goisern angesichts seines inzwischen großen Erfolgs. In der Zeit, als er kaum Geld mit der Musik verdiente, sich als Skiverkäufer und Fremdenführer verdingte, have er vieles machen können, wozu ihm der Erfolg kaum mehr Zeit lasse: Bergsteigen, Freundschaften pflegen, sich um die Familie kümmern.

Nachdem von Goisern in den letzten Wochen mehrere spektakuläre Auftritte in den USA absolvierte, ist er mit seinen Original Alpinkatzen in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs.

Hubert von Goisern ... paßt in keine Schublade

Austria Creativ März 1994, Nr. 32

Hubert von GoisernEnde Februar stellte Hubert von Goisern sein neuestes Album Omunduntn vor. Zwei Wochen davor erschien die gleichnamige Single, die dank ihrer anspruchlosen Ohrwurmmelodie durchaus an seinen bisher größten Hit Hirter Madl anschließn könnte. Aber wer hätte geahnt, daß der Hitexporteur aus Goisern auch eine philosophische Ader verbirgt?

In einer Zeit, in der selbst uralte Hits für die Diskotheken technosiert werden, taucht doch tatsächlich plötzlich ein Musiker auf, der mit Landlern die Hitparaden stürmt. Was zur Folge hat, daß sich die Meinungen darüber teilen: Ist das denn jetzt Volksmusik mit E-Gitarre und hartem Beat für die neue Generation, oder durch traditionelle Melodien entstellter Rock für das Musikantendstadl-Publikum? Dazu Hubert: "Ich würde mich nicht schubladisieren. Es gibt Leute, wenn ich ihnen sage ich mache Volksmusik, dann dreht es ihnen irgendwie das Innere nach Außen. Das hängt halt immer davon ab, was man darunter versteht." Das Konglomerat von Alt und Neu, von volkstümlich und modern ist bei Hubert von Goisern jedoch weniger eine Selbstverständlichkeit, als vielmehr eine Konsequenz seiner Lebenserfahrungen.

In seiner Jugend spielte er in einer Blasmusikkapelled sowie in einer Jazzrockband. Doch seine Eltern machten seinem Wunsch nach einer Musikerlaufbahn einen Strich durch die Rechnung, und so absolvierte der brave Bub dem Vater zuliebe vorerst einmal eine Chemielaborantenlehre.

Während andere junge Leute die üblichen Fragen nach dem Sinn und Sein des Lebens in Lokalen suchten, schnürte sich Hubert von Goisern, nachdem er "etwas Gescheites" gelernt hatte, den Rucksack auf den Rücken und machte sich auf den Weg in die große Welt, um dort die Antworten zu finden.

Der Weltbummler

Hubert von GoisernEr verbrachte vier Jahren in Nordafrika, trampte ein halbes Jahr durch Südostasien, kraxelte zwei Monate auf Nepals Bergen herum und lebte zweieinhalb Jahre in Kanada, wo er sogar verheiratet war.

"Ich habe halt überall sehr viel dazugelernt." In Kanada zum Beispiel richtigen Blues und Jazz zu spielen, sowie Avantgardistisches. "Kanada ist zu jung für eine Kultur, abgesehen von der indianischen. Aber von dieser bekommt man dort gar nichts zu sehen, weil niemand in die Reservate hinein darf, oder hinaus."

Dafür bekam er in Asien einen Einblick in die naiv natürlichen ethnischen Kulturen und deren Musik, die von dem Satz: "Immer mit der Ruhe, nur keine Eile" geprägt sind. "In Afrika wiederum habe ich manchmal den Eindruck gehabt, daß sich die Bevölkerung wegen der vielen Einflüsse durch die Kolonialisierungen nich mehr so ganz zurecht findet."

Die Konsequenzen

Zwar hat er auf seinen Entdeckungsfahrten keine konkreten Antworten darauf gefunden, wer er denn nun eigentlich ist, aber die verschiedenen Kulturkreise gaben ihm den Annstoß, wo er mit der Suche nach der eigenen Identität beginnen könnte. "Nach den Reisen war ich zwar nicht ruhiger, aber um einiges zufriedener als davor. Während ich weg war, bin ich auf die Idee, auf den Geschmack gekommen, endlich einmal meine eigene Region näher zu betrachten. Und, was die Musik betrifft, zu schauen, was von meinen alpinen Wurzeln eigentlich noch übrig geblieben ist." Die Suche nach der eigenen Identität hat der heute 41jährige Familienvater noch immer nicht beendet: "Dieser Prozeß hört hoffentlich nie auf!"

Hubert von GoisernDie Alpinkatzen

Zurück in Österreich gründete er gemeinsam mit dem zu ihm konträren Stadtkind und Politikersohn Staribacher das Duo Die Alpinkatzen, denen für einige Zeit noch das Adjektiv "Original" hinzugefügt wurde. "Dieses 'Original' war aber nur ein Joke."

In seinem Texten verarbeitet Hubert von Goisern alles was ihn so bewegt, ohne sich dabei in seiner Wortwahl ein Blatt vor den Mund zu nehmen (höre z. B. Landlertanz). Seiner aus seinen Wurzeln resultierenden ländlichen Musik fügt er Elemente aus Rock, Blues und Rap bei, ohne damit einen Stilbruch zu riskieren.

1992 erklomm Hubert von Goisern, ein Bergsteiger aus Leidenschaft, schließlich mit seiner Band wochenlang die Spitze der Ö3-Charts mit dem Hit Hirter Madl. Doch schon zuvor fällte er die Konzertsäle mit einem begeisterten Fanpublikum nur in weit kleinerem Rahmen als heute. "Daß dieser Erfolg dann so große Ausmaße angenommen hat, haben wir gar nicht richtig realisieren können. Jede Bewegung, die stattfindet, hat plötzlich viel mehr Konsequenzen; das belastet auf der einen Seite. Ist aber andererseits unheimlich befriedigend. Doch muß man mit der daraus enstehenden Verantwortung erst einmal irgendwie fertig werden."

Der "Schubert" von Goisern

News 08/1992 | Text: Peter Leopold

"Alpinkater" Hubert von Goisern ist Österreichs derzeit erfolgreichster Kompon-ist und Pop-Star.
Mit einer schrägen Mischung aus Volks- und Rockmusik erkletterte er die Spitze der Charts.

Hubert von Goisern on DachsteinZur Präsentation seiner CD Aufgeign statt niederschiassn vor sieben Monaten kam nur ein einziger heimischer Journalist - und das lag nicht nur am eigenwilligen Veranstaltungsort auf dem Gipfel des Dachsteins. Auf Ö3 zeigte einzig die Österreich-Sendung Das rot-weiß-rote Radio Erbarmen mit Hubert von Goisern und seinen Alpinkatzen. Die Single-Auskoppelung Sepp bleib da fand keine 1.000 Käufer. Und die CD kam in den ersten drei Monaten nach Erscheinen nur deswegen auf die - immer noch klägliche Verkaufszahl von 3.000, weil Hubert von Goisern selbst 2.000 Stück erwarb und sie bei seinen Konzerten zu verscherbeln versuchte. Es sah nicht gut aus für das schräge Projekt, diese bislang ungehörte Mischung aus Volks- und Rockmusik. An die der "Alpen-Zappa" mit seinem Bad Goiserer Dick-schädel so sehr glaubte, daß er bereits zehn Hungerjahre als Musiker darin investiert hat. Und dann war plötzlich alles anders.

Geburt des Phänomens. Heute, ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung, sind über 38.000 Alben verkauft - allein die November-Stückzahl von über 25.000 reichte für "Gold". In den letzten sieben Tagen langten bei der Plattenfirma Ariola sensationelle 9.000 Bestellungen ein - mehr, als ein Durchschnitts Austro-Popper pro Album absetzt. Bis Weihnachten wird die Platin-Grenze (50.000) locker überschritten sein. Bei der zweiten Single Koa Hiatamadl ist die Nachfrage so groß, daß Ariola einen Lieferrückstand von 1.800 Stück verzeichnet. Plötzlich rangiert ein noch vor wenigen Wochen ignorierter Musikant an der Spitze der Charts. Ein Phänomen ist geboren: Der "Schubert" von Goisern.

Sein echter Name: Hubert Sullivan. Überbleibsel einer 1985 gescheiterten, fünfjährigen Ehe mit der Kanadierin Kate Sullivan. "Weil die dort bei meinem Geburtsnamen Achleitner immer wieder einen Erstickungsanfall bekommen haben und meine Frau am emanzipatorischen Trip war. Mir hat's nix ausgemacht." Jetzt doch: Sobald er alle Papiere zusammengekratzt hat, will er sich per Amtsweg wieder so rückbenennen, wie er vor 40 Jahren im oberösterreichischen Bad Goisern zur Welt gekommen ist. Heute lebt Goisern-Sullivan-Achleitner mit seiner Freundin Hildegard, einer Sonderschullehrerin, und dem gemeinsamen Sohn Nick (nächstens fünf) in Salzburg.

Die AlpinkatzenDer Rauswurf. Einst hatte man ihn aus der örtlichen Blaskapelle vertrieben, weil er als Langhaariger auf so progressiver Musik wie Glen Millers In the mood bestand. Sieben Jahre lang war er auf der Flucht vor der provinziellen Enge, trampte durch Afrika, Kanada und ließ sich zuletzt auf den Philippinen nieder. Dort ereilte ihn das Aha-Erlebnis: Er beobachtete, wie die Einheimischen, vom Radio kulturell vereintopft, ihre eigene Volksmusik zu verleugnen begannen. Da begann er, sich auf die eigenen Wurzeln zu besinnen.

Gipfelsturm: In sieben Monaten von Nobody zur Nummer 1.
Die Story eines Goiserer Sturschädels.

Die Geburt der Alpinkatzen. Zurück in Österreich, packte er Großvaters Ziehharmonika aus (die ihm inzwischen ein Kärntner Harmonikabauer mit Leinen verstärkt hat, weil sie bei wilden Konzerten mehrmals entzweiging) und begann mit Ministersohn Wolfgang Staribacher das Projekt Alpinkatzen. Die eigenwillige Musikmischung, damals in der Erfindungsphase, scheiterte zunächst kläglich: Das erste Album floppte gnadenlos. Letzter Akt des Duos: eine Bühnenrolle im Ambros Watzmann Rustikal.

Die AlpinkatzenDanach: Trennung. Allerdings hatten die bei, den ihr nächstes Album bereits fertig-geschrieben. Goisern trommelte drei Musiker aus dem Salzburgischen zusammen, ging ins Studio und produzierte das nachmalige Sensations-Album Aufgeign statt Niederschiassn. Kurz nach Produktionsbeginn kam Staribacher reumütig zurück - doch nun wollte Hubert nicht mehr. Heute herrscht zwischen den beiden Kälte. Hubert: "Er hat sich das selbst versemmelt, fühlt sich aber unfair behandelt."

Auch ohne Plattenverkäufe könnten sich die Alpinkatzen ihr tägliches Quantum Whiskas leisten: In diesem Jahr werden es zwischen April und Dezember rund 100 Live, 90 Auftritte sein, in denen Goisern und seine drei Mannen (bisweilen ist auch eine bayerische Jodlerin dabei) dem Publikum ihre alpine Philosophie einjodeln: Regionale Tradition, gepaart mit moderner Weltoffenheit. "Die Goiserer", sagt er mit stolzem Understatement, "sind schräge Leut'. Sarkasmus, Dadaismus, gepaart mit Inbrunst. Das prägt." Und weil seine Ausdrucksform die Musik ist, tauchte er seine volksmusikalischen Wurzeln in den Humus der Rock-Musik. "Nicht Pop", verwahrt er sich. "Da zieht's mich z'samm, Pop ist kraftlos."

Die Ideologie hinter dem Erfolg ist untadelig: "Ich bin für die EG. Die Grenzen sollen fallen, die multikulturelle Gesellschaft soll kommen. Und gerade deswegen ist kulturelle Identität wichtig. Unser bodenständiges Erbe ist schätzenswert." Wenn auch nicht mit dem synthetischen Gejodel aus dem Musikantenstadl zu verwechseln: "Das hat so einen gewissen Hauch des Nationalen. Auf diese Weise kriegen ja Le Pen, Schönhuber und Haider ihren Zulauf. Aber soll ich deswegen die Finger davon lassen?"

Mit seinen Alpinkatzen ist Goisern jetzt unfreiwilliger Anführer einer Musikantenstadl-Gegenbewe gung, die von Gruppen wie Broadlahn, Attwenger oder Zerkochte Tirolerknödel begründet wurde. Eine Welle, die auch nach Deutschland überschwappt: Anfang Jänner tritt die Elite dieser folklor-istischen Rebellen unter dem Motto "Schräg dahoam" zum ersten große Festival der "Neuen Volksmusik" an.

Der Markt ist schon bereitet. Der Münchner Goisern-Manager und "Herzensfreund" Hage Hein, der beim deutschen Nachbarn auch die EAV groß ge-macht hat: "Vor kurzem hat der Hubert in der Sendung Live aus dem Nachtwerk" beim Bayerischen Fernsehen aufgespielt. Die Zuschauerzahlen haben sich beinahe verdoppelt. 10.000 Platten sind bereits weg. Mein Gefühl sagt: "Der Durchbruch steht unmittelbar bevor!"

Zukunft der Alpinkatzen: Die Goiserer Alpen-Oper - Hubert von Goiserns Pläne für 1994

Hubert von GoisernBeim Video zur nächsten Single, aufgenommen am Hallstätter See und vermischt mit einer schwarzweißen Hallstatt-Dokumentation aus den 60er Jahren, hat Hubert von Goisern bei Drehbuch, Regie und Schnitt selbst Hand angelegt.

In seine nächste CD (Aufnahme: Februar bis August 1993) will er "mehr echte Volksmusikelemente" verarbeiten, entsprechende Musikanten mit ins Studio nehmen und "technisch ausgeflippter" werden als beim aktuellen Album Aufgeigen statt Niederschiassn.

Als nächsten Schritt plant Hubert von Goisern ein völlig neuartiges Projekt: Eine alpine Oper! "Ich bin als Klassik Fan jahrelang in die Oper gepilgert. Diese Fusion aus Bühne, Handlunggspielraum Musik und Inszenierung taugt mir."

Gemeinsam mit einem Freund hat er bereits das Drehbuch für den Film fertig, das 1994 zur alpinen Oper adaptiert wird und in weiterer Folge durch Salzburg, Wien, Graz und München 1994 touren soll. "Seit ich Musik mache, träume ich von einem solchen Projekt!" sieht sich Goisern schon ganz nahe am Ziel seiner Wünsche. "Man muß nur so einigermaßen einen Namen haben, damit auch genügend Leute kommen." Froher Zusatz: "Wenn's so weitergeht, könnte das reichen..."

Neues aus Bad Goisern

Krone Bunt 1994 | Text: Rudi Dolezal und Hannes Rossacher

Hubert von GoisernNach erfolgreichem Start der Tournee in Österreich und Deutschland gaben Hubert von Goisern und seine Alpinkatzen - im Vorjahr war der Bad Goiserner unangefochtene Spitze in puncto verkaufter Tonträger aus heimischer Produktion - bekanntlich auch an originellen Schauplätzen wie Paris und Austin, Texas, Konzerte.

Auch sein aktuelles Album Omunduntn läßt keine Zweifel aufkommen, daß Goisern derzeit wieder "oben" ist. Hubert: "Die Reaktionen - vor allem auch in Deutschland - sind ermutigend." Auf Bühne und Album präsentiert sich der "neue" Goisern, dessen Stärken die "alten" sind: "Ich gehe meinen Weg konsequent weiter - die neue Produktion ist die logische Weiterentwicklung. Ich habe ein gutes Gefühl."

Eingespielt mit den Alpinkatzen Sabine Kapfinger, Rainhard Stranzinger, Stefan Engel und Wolfgang Maier, weiß Goisern das Teamwork innerhalb der Band zu schätzen. Außerdem arbeitet er auch an einem Filmprojekt, Titel: Die Bucklige Hölleisengretl, Regie Jo Beier.

Der Film wird im Juni und Juli gedreht - dementsprechend eng ist derzeit Goiserns Zeitplan. Hubert: "Ich beschwere mich nicht, ich stehe auf meine Arbeit."

Wir vergönnen Hubert den Erfolg, vor allem auch im Ausland, der beweist, daß sein Konzept, Volkstümliches mit Zeitgemäßem zu verbinden, nicht auf Österreich beschränkt bleiben muß. Goisern: "Wichtig ist, daß die Musik Kraft und Herz hat!"