Hubert von Goisern
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S'NIX TOUR 2008-09

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Hubert von Goisern: Beeindruckende Show in Kassel

Nordhessen News 9. Oktober 2008 | Text: Rainer Sander

Hubert von GoisernKassel. War er scho amoi da herinnen? Hubert von Goisern weiß es nicht mehr so genau. 2002 ungefähr? Auf jeden Fall erinnert er sich, die Stadthalle Kassel ist jetzt das Vierte Konzert unter Dach nach 2 Jahren Open Air Konzerten auf einem Schiff, 100 Meter lang, auf dem Weg vom Schwarzen Meer in die Nordsee. Nicht ganz gefüllt ist die Stadthalle, dafür ist die Stimmung voller Erwartung. Goisern-Fans sind vielleicht nicht so zahlreich, dafür extrem treu.

Und der Hubert enttäuscht nicht eine Sekunde. Der Multiinstrumentalist beginnt mit dem Akkordeon, wechselt zur Trompete, die drei Frauen betreten die Bühne, Hubert spielt Gitarre, längst ist das Publikum in Kassel im Bann der Musik. Goisern pur, aber mit Anleihen, mal bei Richard Strauß, mal bei Janis Joplin, mal bei der Volksmusik.

Und politisch wird er zwischendurch. Mit Blick auf die Finanzkrise fühlt er sich grad wie in einer Parallelwelt. Aber: "Ich freu mich wie ein Schneekönig, dass dieser Spekulationswahnsinn jetzt ein wirklicher Wahnsinn ist. Danach: Mercedes Benz Janis hätte ihr Freude gehabt, das Publikum hatte sie.

Mal klingt die Musik nach Schuhplattler, mal nach Pink Floyd, mal Jazzt es, dann swingt es, anschließend jodelt er, seine drei Frauen auf der Bühne auch, sie bedienen sich klassischer Themen, werden keltisch folkloristisch, dann hat die Band den Blues und das Publikum den Groove. Vor allen, wenn die 3 Mädel jodeln, geigen und singen, dann werden viele Stars der Volksmusik blass ob der Intensität, der Virtuosität, der Vielseitigkeit und der Ausstrahlung - vor allem solch junger Musiker. Beeindruckend das Duett im Kaiserjodler zwischen Hubert von Goisern und Maria Moling. Der älteste und die jüngste auf der Bühne.

Maria MolingImmer wieder ist es die zarte Maria, die ein ums andere mal mit ihren Talenten verblüfft, stimmgewaltig mühelos gegen den Sound ansingt und plötzlich mit Filzklöppeln auf der Stand-Tom den Rhythmus kräftig vorgibt. Der Meister jodelt derweil und Severin Trogbacher spielt eine 70er-Jahre-Gitarre.

Nach 2/3 des dreistündigen Konzertes der Klassiker Weit weit weg: "Jetzt sind die Tag schon kürzer word'n und Blattln falln a von die Bäum und auf'm Almasatl liegt schon Schnee..." Die Stadthalle erlebt perfekt inszenierte Weltmusik. Dabei hat der Hubert schon Alpenrock gemacht, als die Schürzenjäger noch gar nicht richtig singen konnten. Wenn er heute rockt, dann so, dass der Rhythmus mitreißt, wenn er swingt, dann so, dass es entreißt:

In einer Sekunde entführt die Geige die Phantasie auf einen grünen irischen Hügel und wenn man die Augen wieder öffnet, seht man auf einer Alm im Salzkammergut, auf der oana jodelt. Dann fällt auf, dass die Geige einem Bajazzo in der Toscana gehört und auf der Almwiese der Carlos Santana Gitarre spielt. Der Bassist heißt übrigens Helmut und klingt ein wenig nach einem anderen Bass-Helmut: Hattler. Aber manchmal auch nach Stanley Clarke, vor allem aber nach Schartlmüller. Alle zusammen auf der Tour sind: Maria Moling (perc, voc), Elisabeth Schuen (viol, voc), Marlene Schuen (viol, voc), David Lackner (keyb), Severin Trogbacher (git), Helmut Schartlmüller (b) und Alexander Pohn (dr).

Nach 30 Minuten Zugaben verlässt ein ergriffenes wie begeistertes Publikum den Saal und freut sich auf das nächste Goisern-Konzert.

"Gib ma mehr!"

Neue Westfälische 9. Oktober 2008 | Text & Foto: Rainer Schmidt

Hubert von Goisern und Severin TrogbacherBielefeld. Er ist einer, dem alle schon seit Jahren aus der Hand fressen. Und so zeugt schon der Titel des aktuellen Albums von Hubert von Goisern von großer Selbstsicherheit. "SNix" könnte der Ausspruch eines Besuchers beim kopfschüttelnden Verlassen eines laufenden Konzerts sein.

Was der 55-jährige Österreicher und seine junge Band auf die Bühne im Ringlokschuppen stemmen, ist dagegen alles: kerniger Funk mit Jazzanleihen, Dub und ein lässig eingestreuter Ländler - das kann alles in einem Stück vorkommen.

Komplimente verdient schon der Auftakt, bei dem der Sänger und Multi-Instrumentalist mit seiner steirischen Ziehharmonika gegen die entfesselt aufspielenden Gitarren antritt und mit Rock der härtesten Gangart sein Publikum aus der Reserve lockt. Die Grundaussage bei diesem recht neuen Stück namens Showtime lautet: "Bitte, gib ma mehr von dera Musi/He, des kann do no vü lauter werdn."

Zum Glück sei der Saal nicht bestuhlt, was auf der derzeitigen Tour schon mal vorkommen könne. Einen freundschaftlichen Plauderton pflegt der Bandleader in seinen Ansagen, auch wenn er ganz weit ausholen muss. Den Auftritt will von Goisern verstanden wissen als Teil seines derzeitigen Abenteuers, der Tour auf einem zur Bühne umgebauten Frachtschiff, mit dem er die großen Flüsse Europas bereist. Also sind auch in Städten ohne nennenswerten Wasserlauf zwei Rettungsringe auf den Monitorboxen drapiert.

Die Tour, die von Goisern im letzten Jahr entlang der Donau zum schwarzen Meer und kürzlich den Rhein heraufführte, soll 2009 ein Finale in Linz halten, das in dem Jahr Kulturhauptstadt Europas sein wird. Dort, wo er anlegt, werden seine Konzerte von Ortsansässigen begleitet, die meist zur gemeinsamen Vorbereitung schon ein paar Tage vorher zusteigen. Auch ohne Gäste kann von Goisern mit seiner vierköpfigen Begleitband und drei unerhört quirligen Sängerinnen, die auch Perkussionsinstrumente aus aller Welt bedienen und manchem Stück mit süffigen Violinenklängen den Schlagobers aufsetzen, locker drei Stunden Programm füllen.

Die Jazz-Ballade Fön mit ihrem verschwiemelt-trunkenen Sprechgesang schließt sich nahtlos ans rockig-trotzig herausgeschriene I wü leben an - von schwierigen Umständen konnte sich der Sänger im Osten überzeugen, bei Gesprächen mit Menschen, die sich vor der EU fürchten, weil sie denken, dass ihnen das wenige, was sie haben, weggenommen werde - ironischerweise analog zu mitteleuropäischen Ängsten.

Den größten Anklang im musikalisch so breit gefächerten Programm finden natürlich die alten Songs mit ihrem stärkeren folkloristischen Einschlag, in denen nach Kräften gejuchzt und gejodelt wird.

Alles unter einem Hut

Hannoversche Allgemeine Zeitung 7. Oktober 2008 | Text: Ralf Heußinger

Hubert von Goisern im Capitol Hannover

Hubert von Goisern hat in Mali gespielt, in Tibet und Ägypten. Der Österreicher ist ein Weltenbummler, der aber von sich sagt, zum Reisen, "da brauch' ich einen innerlichen Auftrag". Gerade hat er eine Schifffahrt auf Donau, Rhein und Main beendet. Zwischen Schwarzem Meer und Nordsee hat er immer wieder angelegt, Konzerte gegeben und damit - im Auftrag der Kulturhauptstadt Linz 2009 - die EU-Osterweiterung auch kulturell sichtbar gemacht. Der Goiserer ist schließlich einer, der verbindet - vor allem musikalisch. Wie man Landler, Jodeln, Rock, Blues, Jazz, Gospel, Funk und Rap unter einen Hut bringt, das hat er am Sonntagabend im gut gefüllten hannoverschen Capitol vorgemacht.

Ganz allein steht er zunächst im Dunkeln auf der Bühne, verschlossen, fast eigenbrötlerisch holt er die ersten Töne aus seinem Akkordeon. Schließlich stimmen E-Bass und Gitarre mit ein und erzeugen diesen typischen Sound, der seit Hubert von Goisern Alpenrock heißt. "Grias eich!", sagt er nur kurz, und "Dank'schön", dann vergisst er seine alpine Herkunft erst einmal und präsentiert mit Showtime und Leben zwei astreine Rockbretter von der neuen Platte S'Nix.

Was Goisern während des dreistündigen Auftritts singt, lässt sich nicht wirklich verstehen. Seine Artikulation scheint er bewusst zu verschleppen, sodass die Stimme zum reinen Klang wird. Sie fügt sich ein in die Soundungetüme der vier versierten Musiker. Drei Sängerinnen geben das Ihre dazu und setzen mit Violine und Perkussion weitere Akzente. So ist Goisern am besten: Wenn er seine Kompositionen Schicht um Schicht auftürmt, hoch wie der Großglockner. Doch so vertrackt die Rhythmuswechsel auch sein mögen, mit
dem Schwenk zum alpenländischen Landler fängt er jeden Zuhörer wieder ein.

Ein großer Redner scheint von Goisern nicht zu sein. Erst nach rund eineinhalb Stunden fasst er den Mut für eine längere Ansprache und berichtet von seiner Flussfahrt. Auch einen Seitenhieb gegen die Wahlerfolge der österreichischen Rechtspopulisten gönnt er sich - dann zählt wieder die Musik.

Goisern rockt lautstark die Alpen

Weser Kurier 6. Oktober 2008

Bremen. Es geht los wie bei der einige Jahre zurückliegenden Trad-Tournee: Hubert von Goisern hat das Knopfakkordeon umgeschnallt, zieht und drückt daraus zärtliche alpine Folklore. Wozu dann die große Bühne im Pier 2, könnte man denken. Die Frage wird schon mitten in diesem Intro beantwortet, die Bühne füllt sich und seine Mitstreiter sind nicht gewillt, einen netten Folkrock zu spielen.

Sie rocken, was das Zeug hält, und von Goisern macht munter mit: Showtime heißt das zweite Stück, und das nannte man einst, als der Rock'n'Roll erfunden wurde, einen Klopfer, also einen Song mit einem fetten, treibenden, mindestens zum heftigen Mitwippen animierenden Beat.

Hubert von Goisern hat etwas getan, was vor ihm schon andere Musiker erfolgreich durchgeführt haben, er hat sich nämlich von seinen alten Begleitern getrennt, und sich eine junge (und hungrige) Band gesucht. Vordergründig hatte das Stressgründe, denn von Goisern ist in den vergangenen zwei Jahren die Donau hinauf- und hinuntergeschippert, hat überall Open-Air-Konzerte gegeben. Seinen alten Mitstreitern war das zu anstrengend. Hintergründig aber hat die Neuorientierung auch zur erheblichen musikalischen Belebung beigetragen. Hubert von Goisern hat inzwischen auch die 50 locker überschritten, und die Spiellust seiner sieben Begleiter spornt ihn hörbar an - ganz so wie es beim Kollegen Wolfgang Niedecken der Fall war, als er seine Band Bap in einen ähnlichen Jungbrunnen tauchte.

Im Pier 2 allerdings sitzt der überwiegende Teil des Publikums, das mit Hubert von Goisern älter geworden ist, bequem auf Stühlen. Zwar haben sie einst dem ruppigen Alpenrock der Aufgeigen statt niederschiassen-Phase um das Jahr 1990 zugejubelt, jetzt aber hätten sie es lieber leiser. So gibt es vernehmliche Rufe nach Lautstärkenreduktion, als von Goisern nach dem spacigen Auseinandertreiben und dem harten Haut & Haar eine Conference-Pause einlegt.

So einfach geht das aber nicht, das Konzept sieht Alpenrock mit Reggae-Einsprengseln und gewissen Balkanrhythmen vor, leise könne man das nicht spielen, erklärt der Österreicher. Das Publikum ist gespalten. Tatsächlich gibt es im Verlauf des Abends ruhigere Passagen, die sogar einen gewissen elegischen Touch besitzen wie den schön dahin fließenden Song Regen oder das getragene und sehr stille Die Liab. Es gibt auch die erwarteten Jodel-Abschnitte, bei denen von Goisern nun mit seiner dreiköpfigen Damenriege wieder kompetente Jodelpartnerinnen hat, Elisabeth Schuen führt sogar so etwas wie Jodelkoloraturen vor, die ein wenig an die frühe Nina Hagen erinnern. Grundsätzlich aber bildet knallige und laute Rockmusik die Grundfarbe, zu der sich die Band immer wieder aufschwingt. Das Damentrio singt dabei nicht nur, die Schwestern Schuen spielen auch noch Geige, und Maria Moling ist zudem eine gefühlvolle Perkussionistin. Für den satten Gitarrensound sorgt Severin Trogbacher, Helmut Schartlmüller zupft den E-Bass, an den Keyboards sitzt David Lackner und am Schlagzeug Alex Pohn. Es ist die gleiche Besetzung, mit der auch das aktuelle Album S'nix eingespielt wurde. Aber die Gadulka-Spielerin Darinka Tsekova fehlt. Sie gibt der CD einen deutlichen Balkan-Anstrich, der nun nur noch schemenhaft auszumachen ist. Stattdessen siegt hier Rockmusik, und zwar so engagiert und teils ganz anders als auf der CD gespielt, dass manch ein Song abenteuerlich neu klingt. Gegen Ende des Abends gibt es auf diese Weise eine Art Salzkammergut-Soul, bevor Goisern dann in den Zugaben alte Songs wie Koa Hiatamadl (das ist die ohne dicke "Wadln") hervorkramt. Da tobt der Saal - Lautstärke hin oder her! Ein ausgesprochen starker und überzeugender Auftritt von Hubert von Goisern, der längst zum Multiinstrumentalisten mutiert ist, und neben dem Akkordeon auch noch Flügelhorn, Trompete, Althorn, Kuhhorn und Gitarre spielt.

Jodeln mit Goisern

Hamburger Abendblatt 6. Oktober 2008 | Text: hplcw

Am Schluss, unter dem Beifall seines begeisterten Publikums, gestand Hubert von Goisern, dass er jedes Mal "n bissl Angscht" habe, in Hamburg aufzutreten. "Vielleicht seits ihr ja nicht mehr da", hatte er befürchtet. Die gut gefüllte Halle im Docks auf der Reeperbahn bewies am Sonnabend das Gegenteil. Der österreichische Musiker spielte im Rahmen seiner Tour anlässlich der neuen CD SNix ein dichtes Konzert; zwei Stunden vollgepackt mit neuen Stücken und altbekannten Klassikern.

Von Goisern und sein siebenköpfiges, sehr junges Ensemble, legten mit Showtime einen fulminanten Auftakt hin; Rock pur mit starker E-Gitarre und eingängigem Rhythmus. Im weiteren Verlauf des Abends präsentierte von Goisern seine musikalische Vielseitigkeit; den "Heimatluftkompressor", wie er seine Ziehharmonika nennt, holte er überraschend selten hervor.

Neben temporeichen Nummern wie Rotz und Wasser, einer Collage der legendären Radioübertragung des WM-Spiels Österreich gegen die Schweiz von 1954, gab es auch ruhige Stücke. Besonders schön war das stimmungsvolle Duett Weit, weit weg mit der Südtirolerin Maria Moling. Auch vertraute Klänge fehlten nicht, und so ließ sich das Hamburger Publikum bei der Zugabe doch noch zum Mitjodeln hinreißen.

Hubert von Goisern: Live in Bad Goisern - 31. Mai 2008

6. Juni 2008 | Fotos: © Elli Christl

De Musi schiabt ois wia de Sau

OÖN 2. Juni 2008 | Text: Bernhard Lichtenberger | Foto: © Alfred Reiter
Hubert von Goisern

Vor traumhafter Bergkulisse, die später das Dunkel der Nacht schluckte, rief Hubert von Goisern beim von den OÖN präsentierten SamstagHeimspiel seiner "s'Nix"-Tour in Bad Goisern eine selig machende "Showtime" aus.

4000 Menschen füllen den Sportplatz der Hauptschule. Kurz vor 19 Uhr fügten sich unweit die Goiserer Kicker in ihr Schicksal, aus der Landes-liga West abzusteigen. Das grämt nur wenige im Kreise derer, die gekommen sind, um dem großen Sohn der Gemeinde zu lauschen. Der Bürgermeister schwelgt auf der Bühne vom 91er-Jahr, als Hubert von Goisern im alten Vereinssaal Tradition und Moderne zusammenbrachte. "Das war das beste Konzert", sagt der Ortschef.

"Vor zwanzg Jahr hättns eahm am liabstn vajogt ois Spinner, und heut mechtns angebn mit eahm", rückt eine Einheimische neben mir die Verherrlichung zurecht.

"Hinter mir, da spüt a geile Musi, und de schiabt ois wia de Sau", rockt Hubert von Goisern in Showtime aus dem neuen Album s'Nix. Und trifft so selbst die rechten Worte für den Abend, der erst um Mitternacht mit den innigen Zugaben Weit, weit weg und Heast as nit ausklingt.

In drei Stunden zieht der 55-Jährige in seinen wachsenden Klangkosmos - vom dubbigen Auseinandertreiben mit Jodelsoul und schrillem Mezzosopran von Elisabeth Schuen bis zur prickelnden Lust-Ode Haut & Haar, vom fetzigen Genuss des Augenblicks (Leben) bis zum sanften Die Liab, vom alten Wildschütz Räp bis zum ekstatisch umgarnenden I bi ån, das im Gospelfurioso mündet.

Auf der ersten Donau-Etappe der Linz Europa Tour gen Osten im Sommer 2007 sind Hubert von Goisern und seine Musiker, unter ihnen die fabel- und sirenenhaften Ladinerinnen Maria Moling, Elisabeth und Marlene Schuen, zu einer musizierenden Einheit verschmolzen. Neben solistischer Spielfreude erzeugt das Konglomerat, in dem auch die zierliche bulgarische Gadulka-Spielerin Darinka Tsekova einen glänzenden Platz findet, einen berauschenden Sog.

Heast as nit ...

Landsburger Tagblatt 2. Juni 2008 | Fotos: © Sibylle Seidl-Cesare

Hubert von Goisern spielt in der Ritterarena

Hubert von Goisern

Die Gewitterwolken haben sich verzogen und um 20.17 Uhr packt Hubert von Goisern seine Ziehharmonika aus. Alpenrock ist angesagt in Kaltenberg und rund 10000 Zuschauer haben den Weg in die Ritterarena gefunden. Den grauen Schläfen nach zu urteilen, sind einige dabei, die Hubert von Goisern begleiten, seit er Ende der 80er Jahren mit den Alpinkatzen die ersten Erfolge feierte. Jeans und Turnschuh finden sich neben dem Trachtengwand, Dirndl und Lederhosen werden ganz konventionell getragen oder auch mit Turnschuh, T-Shirt oder Badeschlappen gemixt. Der volksmusikalische Einstieg mit der Diatonischen wird aus dem Publikum mit alpenländischen Freudenjuchzern begrüßt, doch bald folgt der Schwenk auf eine härtere Gangart. Schnelle Gitarrenriffs und wummernde Schlagzeugbeats begleiten die markante Stimme des Oberösterreichers.

Hubert von Goisern

Stimmlich und auch instrumental virtuos: HvG hier an der Trompete.

Musikalischer Tausendsassa

Weniger Worldmusic oder anarchischer Alpensound prägt das neue Album, denn klassische Rockrhythmen und wunderschön relaxte Jazzpassagen. "He komm scho, des is Rock 'n' Roll" heißt es gleich zu Anfang und das Publikum geht mit. Verhalten freilich in der eigenen körperlichen Artikulation, aber konzentriert und manchmal fast andächtig sich der Bühnenperformance hingebend. Oder einfach nur fröhlich feiernd mit einem Krug voller Kaltenberger Bier in der Hand. Hubert von Goisern zeigt sein vielfältiges Können, wechselt von der Ziach zur Trompete, von Blasinstrument zur Gitarre, er jodelt, röhrt, beschwört, jauchzt, sinniert und dominiert mit seiner Präsenz die Bühne. Neben der Band mit Severin Trogbacher (Gitarre), Helmut Schartlmüller (Bass), Alex Pohn (Schlagzeug) und David Lackner an den Tasten stehen Hubert von Goisern drei junge Background-Sängerinnen und Musikerinnen (Maria Moling, Elisabeth und Marlene Schuen) zur Seite. Mit einem einfachen Refrain steigen sie anfangs ein, um wenig später mit Stimmgewalt zu beeindrucken.

Maria Moling

Maria Moling beeindruckt nicht nur als Background-Sängerin, sondern auch bei einem furiosen Jodel-Duett mit Hubert von Goisern.

Koa Hiatamadl

Eine bulgarische Musikerin ist mit ihrer Gadulka mit von der Partie. Auch wenn immer wieder exotische Instrumente wie das Streichinstrument der Bulgarin oder die Ziehharmonika, die in diversen Volksmusiken eine Rolle spielt, zum Einsatz kommen, liegt der Grundrhythmus beim Rock. Anarchisch-alpenländische Klänge aus früheren Tagen gibt es zur Mitte des Konzerts hin, das Hiatamadl lässt Hubert von Goisern freilich nicht erklingen. Funk ist mit I bi an gegen Schluss angesagt und es gibt einen fröhlichen Wechselgesang zwischen Hubert von Goisern und dem Publikum, das gegen 22.30 Uhr mit zwei HvG-Klassikern als Zugabe belohnt wird: Heast as nit und Weit weit weg gemeinsam mit der Sängerin Claudia Koreck, die als Vorband auftrat.

Mehr Fotos unter www.augsburger-allgemeine.de

Des was ma hat, des muass ma geben

Ritterturnier 2. Juni 2008 | Text: W. Müller | Foto: © Martin Zeiller

Und genau daran ließ es Hubert von Goisern am 30. Mai nicht fehlen, als er in der Arena Schloss Kaltenberg vor mehr als 12 000 begeisterten Zuschauern sein neues Programm vorstellte. S'NIX hat er es getauft und meint einen Zustand, der überall ist, "auch da wo nix ist".

Hubert von Goisern und Band

Der Weltmusiker aus Goisern im Salzkammergut zeigte sich deutlich rock-orientierter als auf seinen vorangegangenen CDs, auf denen er sich mit tibetischen oder afrikanischen Musikern präsentierte und dabei die asiatischen und vor allem afrikanischen Rhythmen in seine Songs integrierte, ohne dabei seine musikalischen Wurzeln aus dem Alpenraum allzu weit hinter sich zu lassen. Auf seiner letztjährigen Tournee per Schiff auf der Donau, die bis zum Schwarzen Meer führte, hat er sich vor allem mit osteueropäischen Volksweisen, speziell den bulgarischen auseinandergesetzt, und viele dieser Eindrücke davon in das neue Programm einfließen lassen.

Vom Jodler zum Skarpaten-Ska

Eine Musikerin hat es ihm dabei besonders angetan: Darinka Tsekova, die der Gadulka, einem bulgarischen Instrument, das wie eine Geige gestrichen wird, jede Menge rockiger Elemente entriss und sich dabei mit dem Gitarristen Severin Trogbacher wahrhafte Solo-Duelle lieferte, die dann so unvermittelt wie harmonisch von einem Goisern'schen Jodler aufgefangen wurden. Das Publikum feierte die gesamte Band enthusiastisch. Doch dabei hat es der Weltmusiker nicht belassen. Mit den Schwestern Marlene und Elisabeth Schuen hat er sich zwei Sängerinnen mit klassischer Gesangsausbildung in sein Ensemble geholt, die neben ihrem Chorgesang den stimmlich deutlich variabler gewordenen Goisern brillant ergänzten und so ganz nebenbei auch noch die Violinen-Parts übernahmen. Und mit Maria Moling kommt noch eine dritte Sängerin zum Einsatz, die mit ihren fast arienartig vorgetragenen Einsätze auch noch reine Klassik-Elemente ins Konzert einbrachte und als Percussionistin traumhaft sicher mit dem Schlagzeuger Alex Pohn harmonierte.

Goisern selbst entwickelt sich immer mehr zum Multi-Instrumentalisten. Neben seinem exzellenten Ziehharmonika- und Gitarrenspiel überrascht er mittlerweile mit diversen Blasinstrumenten, vor allem aber mit der Trompete, mittels derer er manchmal an Charlie Parker erinnert, um dann die diversen Melodiebögen mit zartestem Spiel à la Miles Davis ausklingen zu lassen. Goisern dürfte derzeit in Europa der einzige Musiker sein, der so spielerisch die verschiedensten Musikrichtungen miteinander verbinden kann, ohne dass jemals ein Bruch entstehen würde.

Zum Abschluss des insgesamt zweieinhalbstündigen Konzerts griff Goisern noch einmal auf die Zeit mit den Alpinkatzen zurück und ließ den Abend mit Weit, weit weg ausklingen. Dem restlos begeisterten Publikum war er vielleicht noch nie so nah.

Alpenrock in Kaltenberg

Bayerischer Rundfunk 1. Juni 2008 | Foto: © BR / Markus Konvalin
Hubert von Goisern

HvG-Heimspiele mit Warm up im Lehár und Großkonzert vor 4000 Leuten

Salzkammergut Rundschau 5. Juni 2008 | Foto: © Christoph Lenzenweger
Hubert von Goisern

Zur Halbzeit seiner Donaustaaten-Tournee für Linz09 stellte Hubert von Goisern bei zwei Heimspielen seine neue Scheibe S'NIX vor, eine weitere hinreißende Serie von globalen volksmusikalischen Brückenschlägen mit salzkammerguter Fundamentierung. Nach drei Tagen Proben im Ischler Lehár gabs dort am Mittwoch das obligate Warm Up für Insider, Freunde und spezielle Gäste. Beim Bad Goiserer Open Air wurde sodann vor begeisterten 4000 Fans ein HvG-Hochamt gefeiert, innig, lustig, beseelt und mit wunderbaren neuen Sounds und Sängerinnen.

Warm-Up-Konzert in Bad Ischl - 28. Mai 2008

30. Mai 2008 | Fotos: © Elli Christl & Christoph Lenzenweger

Hubert von Goisern wärmte sich im Lehartheater auf

Im Salzkammergut 30. Mai 2008

Heiß in mehrerlei Hinsicht ging es am Mittwoch im Lehartheater Bad Ischl her: Hubert von Goisern lud Freunde und Bekannte sowie jene, die von diesem Auftritt erfahren haben, zu einem Warm-up-Konzert für seinen Auftritt in Bad Goisern und die zweite Etappe seiner Donautour ein.

Nicht nur die tropischen Temperaturen sorgten für einen heißen Konzertabend, vor allem Hubert und seiner Band machten unglaubliche Stimmung und lieferten ein bewegendes, mitreißendes Konzertereignis. Eine herausragende Band mit außergewöhnlichen Musikerpersönlichkeiten, ein abwechslungsreiches Programm mit den "alten" bekannten Hitnummern und wunderbare neue Titel der neuen CD S'Nix und Arrangements verbunden mit der einmaligen Lehartheater-Stimmung wußten das Publikum begeistern. Heast as nit bildete einen abschließenden, absoluten Höhepunkt eines unvergesslichen Abends.

Drei Tage probte die Band im Lehartheater - damit ist es für Hubert von Goisern mittlerweile schon Tradition geworden, hier seine Tourneeprogramme erstmals einen überschaubaren Publikum in Clubatmosphäre zu präsentieren.

Organisiert wurde das Konzert von Bürgermeister Hannes Heide, der beim Konzert auch prominente Gäste wie dem Intendanten von Linz09 Martin Heller, Mag. Gerhard Gössl mit Familie oder TW1-Geschäftsführer Ing. Friedrich Urban begrüßen konnte.